Der Dortmunder Golfclub und der Nordrhein-Westfälische Golfverband
unter Dr. Heinrich van de Loo

von Klaus Peter Schulte

Der Dortmunder Golfclub bat mich, einen kleinen Artikel zum 50 jährigen Bestehen des Nordrhein-Westfälischen Golfverbandes zu schreiben, denn im Rahmen der Recherche über den Golfplatzarchitekten Dr. B. von Limburger stieß ich auch auf Informationen zu diesem Thema.
Der eine oder andere wird sich fragen, was der Dortmunder Golfclub mit diesem Jubiläum zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach: der Nordrhein Westfälsche Golfverband wurde von unserem Clubmitglied Dr. Heinrich van de Loo am 16.12.1971 in Dortmund gegründet.

Wenige Mitglieder unseres Clubs werden diese Persönlichkeit noch erlebt haben. Deshalb vorweg ein paar Worte zu seinen Verdiensten für den Dortmunder Golfclub: Dr. Heinrich van de Loo (1903-1992) war Gründungsmitglied, passionierter Golfer und von 1969 bis 1977 erster Vorsitzender unseres Clubs, heute gleichbedeutend mit dem Präsidentenamt (erst im Jahre 1991 wurde der entsprechende Vorstandsparagraph geändert). Dr. Ing. Heinrich van de Loo setzte sich sehr für die Erweiterung unseres Golfplatzes ein. Am 11. Juli 1970 eröffnete er den 18-Loch-Meisterschaftsplatz und schlug den goldenen Ball vom goldenen Tee mit einem Eisen sicher auf das Fairway der Bahn 1.

Hierbei handelte es sich um den ersten 18-Loch-Platz in ganz Nordrhein-Westfalen, für den der Präsident erneut Deutschlands renommierten Golfplatzarchitekten Dr. Bernhard von Limburger gewinnen konnte. In die Präsidentschaft von Heinrich van de Loo fallen die „Offene Meisterschaft von Deutschland 1975“ und die überregional beliebten „Twen-Turniere“, die unseren Golfclub Deutschlandweit bekannt machten. Sein Sohn Heiner berichtete, dass sein Vater auch nach seiner beruflichen Pensionierung täglich um 6.30 Uhr von Lendringsen zur Reichsmark fuhr, um die Geschicke des Golfclubs zu leiten. Er sorgte dafür, dass die Kindercaddies in Dortmund abgeschafft wurden, was bei den älteren Mitgliedern und den jüngsten Caddies nicht gerade für Begeisterung sorgte. Um den Dortmunder Golfclub und den Golfsport in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, ging Dr. van de Loo auch ungewöhnliche Wege und lud im Jahre 1971 ein Golfballett vom fernen Grand Bahama Island auf unsere Anlage ein. Zum 25sten Jubiläum recherchierte Dr. van de Loo akribisch die Geschichte unseres Clubs von den Anfängen 1956 bis 1981 und hielt sie in der ersten Clubchronik fest. Als promovierter Ingenieur und passionierter Golfer befasste er sich mit einer Vielzahl von Golfthemen, u. a. mit der „Statistik auf dem Golfplatz“ und hielt Vorträge darüber. Für seine zahlreichen Verdienste wurde Dr. Heinrich van de Loo am Ende seiner Präsidentschaft 1977 mit der Ehrenmitgliedschaft unseres Clubs gewürdigt.

Was den Nordrhein-Westfälischen Golfverband angeht, so haben wir die Gründung ebenfalls Dr. Heinrich van de Loo zu verdanken. Einen Hinweis dazu gibt der ehemalige Präsident des Nordrhein-Westfälischen Golfverbandes, Peter Haeffs in unserer Clubchronik 1956 – 2006: „Sie haben sich nicht nur als Teil der Gesellschaft im Golfverband gezeigt, sondern auch bei der Gründung und seiner Struktur aktiv mitgestaltet.“
Laut heutigem Golfverband NRW gab es im Gründungsjahr 1971 zweiundzwanzig Golfclubs in Nordrhein-Westfalen. Im Juli 1974 waren es gemäß Dr. van de Loo bereits 28 Mitgliedclubs. Zum Gründungstreffen 1971 erschienen sechzehn dieser Nordrhein-Westfälischen Clubs in Dortmund. Dr. van de Loo ließ den neuen regionalen Golfverband daraufhin in das Vereinsregister beim Amtsgericht Düsseldorf eintragen.

Im Juli 1974 gab die Zeitschrift Westdeutsche Golf Contact die Hauptgründe wider, die Dr. van de Loo dazu bewogen, den regionalen Golfverband zu gründen, denn zu dieser Zeit existierte der Deutsche Golfverband bereits nahezu sieben Jahrzehnte. Es ging ihm damals um die richtige Darstellung des jungen Golfsports in der Deutschen Öffentlichkeit. So schrieb dieses Magazin 1974: „Ein besonderes Anliegen ist dem Präsidenten des Nordrheinisch-Westfälischen Golfverbandes, dass hier Golfsport in der Öffentlichkeit immer falsch beurteilt wird. Dr. Heinrich van de Loo sagt, dass wir hier in Deutschland, was das Golfen anbetrifft, ein unterentwickeltes Land sind.“

Noch wichtiger war für Dr. Heinrich van de Loo die Förderung der Jugend in den deutschen Clubs. So heißt es weiter: „Die Regionalverbände – wie der GVNRW – sind gegründet worden, damit wir die Möglichkeit haben, dem Landessportverband beizutreten. Aus dem Rennquintett, vom Toto und bisher aus der Glücksspirale, werden nämlich über den Sportverband für den Leistungssport in der Gesellschaft Geldmittel zur Verfügung gestellt, mit denen wir vor allem die Jugendarbeit erheblich fördern können…“ (Golf Contact, Juli Ausgabe Nr. 3, 1974, S. 5).

Heute, 50 Jahre nach der Gründung, formuliert der Golfverband Nordrhein-Westfalen e. V. seine Ziele ähnlich (siehe www.gvnrw.de/verband): „Der GVNRW fördert und regelt die Ausübung des Golfsports in NRW. Er betreut den Breiten- und Spitzensport mit besonderem Augenmerk auf die Jugendförderung, den Nachwuchsleistungssport.“ Genau diese Jugendförderung lag dem ersten Vorsitzenden des Dortmunder Golfclubs bei der Gründung des Nordrhein-Westfälischen Golfverbandes am Herzen. Viele Erfolge aus den Gründerjahren können hier genannt werden. So gelang es beispielsweise dem Dortmunder Jugendlichen Ulrich Kämpfe im Jahre 1975 den Nationalspieler und Weltmeisterschaftsteilnehmer Christoph Städler sensationell aus dem Turnier der „29. Deutschen Meisterschaft der Amateurgolfer“ zu werfen (RN Nr. 221 vom 12.09.1975).

Zu guter Letzt sei beispielhaft erwähnt, was sich im Gründungsjahr des Nordrhein Westfälischen Verbandes golferisch noch so ereignet hat. Die gleiche Zeitschrift, die das Interview mit dem Präsidenten des GVNRW führte, stellte 1971 einen interessanten Vergleich an, über den der eine oder andere Golfer heute etwas schmunzeln wird. Denn die Golfturniere von 1971 im Dortmunder Golfclub wurden quasi in einem Atemzug mit dem berühmten Masters in Augusta genannt: „Im Frühling der amerikanischen Südstaaten dagegen waren die Golfer bereits gut im Schwung: 140.000 Zuschauern sahen die Masters, traditionsgemäß ausgetragen in Augusta, Georgia…wo ein Professional namens Charles Coody das vielbegehrte „Grüne Jackett“ des „Meisters der Meister“ anziehen und 25.000 Dollar in dessen Taschen stecken konnte. [Anmerkung: Charles Coody verwies die Top-Golfer Jonny Miller und Jack Nicklaus auf die Plätze 2 und 3]. Während also jenseits des großen Wassers die Dollars schon wieder großzügig zur Verteilung kamen, kämpften in Dortmund unserer Golflehrer und Amateure um wesentlich geringere Geldpreise bzw. kleinere Pokale. Dies bedeutet nicht, dass es sportlich weniger interessant zuging, als es schließlich eines Stechens bedurfte, um mit Roman Krause den Neuen Nationalen Offenen Meister zu ermitteln. Tagesgespräch dieser Meisterschaft war die junge Golflehrerin Irene Köhler aus Hittfeld…“

Kommen wir am Ende noch einmal zurück zum heutigen GVNRW: zwei hervorragende Golfer, die das Golfen von der Pike auf im Dortmunder Club gelernt haben, sind heute im Präsidium und im Sportgericht des Golfverbandes NRW aktiv. Es ist durchaus möglich, dass die Präsidentschaft des Golfverbandes NRW zukünftig wieder von einem Dortmunder „Gewächs“ wahrgenommen wird. Mein Dank gilt auch dem DGA in Köln.