Interview mit Head-Pro Holger Böhme:

Konstanz ist als oberste Qualität in 2. Liga gefragt

von Dr. Peter Schütze

So liest sich eine Erfolgsgeschichte: Holger Böhme (52), seit 1993 Golflehrer, zuvor Semiprofi als Eishockeyspieler, jetzt auf seiner sechsten (Headpro-) Stelle im fünften Vertragsjahr beim Dortmunder Golfclub, hat die Herren-Mannschaft des DOGC im Durchmarsch von der Oberliga in die 2. Bundesliga gebracht. Ähnliches ist ihm im Willy-Schniewind -Mannschaftspreis gelungen. Den Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit der AK-18-Mädchenmannschaft des GC Hubbelrath 2012 und den Aufstieg mit den Herren des Düsseldorfer GC in die 2. Liga, gleichzusetzen mit dem jetzigen Erfolg in Dortmund, nennt Böhme, privat Fotofreund und Triathlet, seine bisherigen sportlichen Highlights.

Am letzten Mai-Sonntag absolviert  das Herrenteam des DOGC in Düsseldorf – unter strengen Corona-Schutzbedingungen – seine Zweitliga-Premiere. Dazu äußerte sich Holger Böhme im folgenden Interview.

Frage: Herr Böhme, vor 21 Monaten haben Sie mit den DOGC-Herren den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft, aber Corona-bedingt bis Ende Mai 2021 auf den ersten Abschlag in der neuen Klasse warten müssen. Jetzt ist es soweit. Was ist das für ein Gefühl?

Holger Böhme: Mehr brennen als wir kann man nicht, und das ist auch zu natürlich; denn nach einer so langen Zeit ohne Meisterschaftsspiele, ohne harten Leistungssport im Mannschaftsbereich ist jeder echte Sportler heiß auf Herausforderungen.

Frage: Was muss man haben, um in der 2. Liga bestehen zu können?

Holger Böhme: Konstanz. Das ist zwar nur eine Qualität, die in dieser Liga vor allem verlangt wird, aber die mit Abstand wichtigste.

Frage: …..und wie erlangt man sie?

Holger Böhme:  Das ist eine Sache der Klasse, die eine Mannschaft hat. Wer nach der langen Pause und den eingeschränkten Möglichkeiten des echten Wettkampftrainings am schnellsten in seinen Rhythmus findet, dessen Konstanz wird auch wachsen. Und in diesem Prozess ist gleich die zweite Qualität gefragt: Geduld. Man kann nicht erwarten, gleich am ersten Spieltag das beste Ensemble beisammen zu haben. Deshalb wird die Mannschaft am letzten Spieltag anders aussehen als die am ersten.

Frage: Wie haben Sie die Mannschaft auf das vorbereitet, was sie in der neuen Klasse erwartet?

Holger Böhme: Die allermeisten Spieler sind lange genug dabei, die wissen, was sie tun müssen, was sie wollen. Da muss ich nicht viel tun. Ich habe ihnen klar gemacht, dass zwischen der Regionalliga, die sie verlassen haben, und der 2. Liga, in die sie eintreten, Welten liegen. Diesen Wechsel zu vollziehen, ist der größte Schritt, der in Golf-Klassen nötig ist, vielleicht sogar gewaltiger als der Sprung von 2. Liga In 1. Bundesliga.

Frage: Wie haben Sie Ihr Team zusammengestellt?

Holger Böhme: Wir sind mit einer relativ jungen Truppe unterwegs, lediglich Bastian Schmitz und Matthias Tischler haben die 30 schon überschritten. Da ist also  noch jede Menge Entwicklungspotential vorhanden, und darauf bauen wir auch. Unsere Mischung halte ich für gelungen. Jetzt kommt die Zeit, es zu beweisen.

Frage: Sie haben 16 Spieler im Aufgebot. Welche Rolle spielt in Ihren Überlegungen die Rotation im Team, und wird es feste Vierer-Combos geben?

Holger Böhme: Entscheidend für mich ist, dass ein Spieler zum betreffenden Platz passt. Das ist also der sportliche Leitgedanke. Und da die Plätze in Düsseldorf, bei uns, in Essen-Heidhausen, Bremen und im Teutoburger Wald unterschiedlich sind, werden da auch Wechsel in der Aufstellung vorkommen. Da läuft  es auf sportliche Entscheidungen hinaus. Zu den Vierern, die übrigens zum Saisonauftakt in Düsseldorf nicht gespielt werden: Da sind bei mir Ideen schon relativ fix, aber noch nicht formuliert oder diskutiert. Aber die Jungs spielen gern Vierer.

Frage:  Was wird Ihre Hauptrolle in der 2. Liga sein, die des Taktikers, des Psychologen oder Motivators?

Holger Böhme: Wenn man eine Mannschaft – erst recht in der 2. Liga – motivieren muss, dann sollte sie am besten mit dem Sport aufhören. Die Aufgabe eines Trainers ist, Athleten zu Bestleistungen zu führen. Das geschieht auf verschiedenen Wegen und mit unterschiedlichen Methoden. Der eine Spieler will völlig in Ruhe gelassen werden, lehnt jede Kontaktaufnahme auf dem Platz ab, der andere sucht die Nähe des Trainers in loser oder massiver Form. Da muss ein Trainer wissen, wie er mit jedem Spieler umgehen soll und muss.

Frage: Wie schätzen Sie die Gegner ein?

Holger Böhme: Top-Favorit in unserer Fünfer-Gruppe ist für mich Essen-Heidhausen. Die haben schon zweimal in der Relegation zur 1. Bundesliga gestanden, haben meines Wissens keinen Spieler verloren, sind bärenstark. Bremen zur Vahr war das auch einmal, aber ob und wie sich diese Mannschaft verändert hat, wissen wir nicht. Düsseldorf ist Mitaufsteiger, wird also auch zuerst einmal um den Klassenverbleib kämpfen. Und Teutoburger Wald muss mit der Enttäuschung leben, nicht als Spitzenreiter in die 2. Liga zu starten; denn ihr Heimspiel, in dem sie immer als sichere Bank gelten, ist am ersten Spieltag ausgefallen und auf den Nachholtermin am Ende der Saison verlegt worden.

Frage: Zum Schluss die Bitte um einen Tipp. Wo landet der Dortmunder GC am letzten Mai-Sonntag in Düsseldorf?

Holger Böhme: Auf dem 2. Platz.