Nachruf Waldtraut Weber geb. Zühlke

2018-11-26 12:36 von Karin Burckhardt

 

Mit großer Trauer haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass unser Gründungsmitglied Waldtraut (Traudl) Weber verstorben ist. Wir haben der Familie Zeit gegeben, in aller Stille von Ihrer geliebten Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Abschied zu nehmen. Traudl Weber war eine Institution im Dortmunder Golfclub. Sie hat maßgebend an der Gestaltung unseres Platzes mitgewirkt. Sowohl im Breitensport als auch im Leistungssport, hat Traudl Weber dazu beigetragen, unseren Club weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen.
Sie war auch noch in diesem Jahr auf unsere Anlage und hat interessiert nicht nur die Entwicklung des Clubs sondern auch die Entwicklung unserer Jugend, unseren Mannschaften und der gesellschaftlichen Gemeinschaft beobachtet.

Traudl Weber hat mit ihren herausragenden Charaktereigenschaften maßgeblichen Anteil daran, den Dortmunder Golfclub dahin zu entwickeln wo er heute steht. 

Der Dortmunder Golfclub verliert mit Traudl Weber ein „Urgestein“, ein Teil der lebenden Historie und einen wunderbaren Menschen. 

Wir werden Ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Vorstand

Dortmunder Golfclub e.V.

 

Mehr über Traudl Weber und ihre Bedeutung für den Dortmunder Golfclub e.V. können Sie dem beigefügten Artikel unseres Clubmitgliedes Klaus-Peter Schulte entnehmen. K.-P. Schulte führte im Rahmen seiner Recherchen rund um den Dortmunder Golfclub zwei intensive und inspirierende Gespräche mit Waldtraut Weber. Wir danken K.-P. Schulte, dass er uns den Text zur Verfügung stellt.

Erinnerungen an das letzte Gründungsmitglied des Dortmunder Golfclub e.V.

Waldtraut (Traudl) Weber 

Als ich Anfang November 2018 im Flur unseres Clubhauses an den Informationstafeln vorbeilief, wurde ich unvermutet von einem Aushang gestoppt. Es war die Traueranzeige von Waldtraut Weber, den meisten Mitgliedern unseres Clubs als Traudl Weber bekannt. Sie verstarb am Donnerstag, den 18.Oktober im Alter von 92 Jahren. Die Nachricht kam für mich unerwartet, weil mich Frau Weber noch Anfang Februar 2017 rüstig und agil in ihrem Haus in der Rotariusstrasse empfing. Sie wollte mir einige „Geheimnisse“ über die Entstehung unseres Golfplatzes und seinen Architekten Dr. Bernhard von Limburger erzählen. Sie und Ihr Mann Wilhelm hatten diesen renommierten Golfplatzarchitekten noch persönlich in den drei Bauphasen unseres Platzes von 1957-1970 kennengelernt.

Als ich die Traueranzeige las, kam zufällig ein langjähriges Clubmitglied an mir vorbei. Wir erinnerten uns gemeinsam an diese großartige Frau, ihren herausragenden Charakter und ihre golferischen Erfolge, an ihr großes Engagement für unseren Club, aber auch an ihren beliebten Präsidentengatten Wilhelm Weber. Nicht ohne Grund wurde ihr Mann fünfmal zum Präsidenten gewählt.

Unser „Chronik 1956 – 2006 Dortmunder Golfclub“ erwähnt die großartigen Leistungen und Verdienste von Traudl Weber auf vielen Seiten in Wort und Bild. Zusammen mit ihrem Mann Wilhelm begleiteten sie den Bau unseres Golfplatzes. Als ihr Mann in den ersten Jahren unseres Clubs verschiedenen Gremien angehört (Finanzkommission, Bauausschuss, Jugendwart, etc.) steht Traudel ihm beratend zur Seite. Gemäß Chronik fällt die Umbauphase II unseres Clubhauses in diese Amtszeit, aber auch die bedeutende „Internationale Amateur-Meisterschaft“ des DGV im Juni 1981 um den „Preis der Bundesrepublik Deutschland“ auf dem Platz der Reichsmark. Ein solch überregionales Turnier konnte unser Club danach nicht mehr nach Dortmund holen. 

In ihrem Artikel „40 Jahre Damengolf - eine Erfolgsgeschichte“ würdigt Gabriele Weidlich ausführlich das Engagement von Traudl Weber, die 1976 die Regie der Damennachmittage übernahm. Darüber hinaus spielte Traudl Weber für die Damen Clubmannschaft, die ab 1977 immer erfolgreicher wurde. Ein  großer Erfolg war der Sieg des „Westdeutschen Damen-Mannschafts-Pokals“ im Mai 1977. Traudl Weber selbst sagte dazu: „Die Dortmunder Damen waren ein Begriff geworden, manchmal auch gefürchtet. Eins hat unsere Damengruppe stets ausgezeichnet: Sportlichkeit, Fairness und Flair.“

Und über ihre 6-jährige Regie des Damennachmittages äußerte sich Traudel Weber einst so: „Diese Arbeit kann man nur mit Freude machen, wenn man Rückhalt und Freundschaft von vielen besitzt. Ich habe durch meine Arbeit viele liebe Freunde bis heute erworben und ich danke ihnen alle dafür“.    

Erwähnenswert ist auch die Jubiläumsfeier im April 2005 im Dortmunder Clubhaus. Höhepunkt war die Verleihung der Ehrennadeln. Traudel Weber erhielt die Ehrennadel in Gold, weil sie 40 Jahre ununterbrochen für Damennachmittage meldete.

Nicht zu vergessen ist auch das Engagement von Traudl Weber für die beliebten „Twen-Turniere“ in den 60er Jahren. Und zweimal wurde sie gar Clubmeisterin des Dortmunder Golfclubs: im Jahre 1971 Damen Clubmeisterin und neun Jahre später dann Senioreninnen Clubmeisterin.

Doch damit nicht genug, denn zweimal wurde der Dortmunder Golfclub „DEUTSCHER SENIOREN-MANNSCHAFTS-MEISTER“. Das war in den Jahren 1985 und 1988, und mit dabei war natürlich Traudl Weber. Von solchen Erfolgen kann unser Club heute nur träumen. Noch heute hängen die Urkunden dieser Siege an einer Wand im Clubrestaurant. 

Es gibt noch einen weiteren Grund für diese Zeilen. Denn nur wenige wissen, dass mit dem Tod von Traudl Weber gewissermaßen ein zentraler Einschnitt in der Historie unseres Clubs stattgefunden hat: mit Traudel Weber verstarb das letzte Gründungsmitglied des Dortmunder Golfclubs. Sie war das letzte Mitglied, das den Dortmunder Golfclubs e. V. am 03.12.1956 mitgegründet hat. Und Traudl Weber hat den Bau unseres großartigen Golfplatzes durch den renommierten Architekten Dr. Bernhard von Limburger von 1957-1970 nicht nur miterlebt, sondern den Platz mit ihrem Mann auch aktiv mitgestaltet.

Persönlich kannte ich Traudl Weber seit meiner Jugend nur „vom Sehen“ und von zufälligen, freundlichen Begegnungen im Clubhaus. Zwischen uns lagen immerhin 40 Jahre Altersunterschied, also mehrere Generationen.

Ein erstes intensives Gespräch hatte ich mit ihr dann im Januar 2017 am Telefon, um mit ihr ein persönliches Treffen zu vereinbaren. Das Telefonat hatte es in sich, denn sie erzählte mir 1 ½ Stunden lang euphorisch über die Gründerjahre des Dortmunder Clubs.

Sie sprach von einer Traumkulisse, die sich ihr bot, als sie Ende der 60er Jahre als junge Frau die Wiese neben der schönen Platanen-Allee zur Wittbräuckerstrasse emporstieg [heute Anderson Kurzplatz], um die blühenden Maiglöckchen zu pflücken und das verwaiste „schlossähnliche“ Herrenhaus zu inspizieren. Das Herrenhaus mit seiner mächtigen Freitreppe und seinem schönen Erker gen Süden war für sie nach der Vertreibung aus Johannisburg [heute Pisz in Polen] eine Art Heimatersatz geworden, denn es glich in Bauart und Größe dem schönen Rathaus ihrer Geburtsstadt. Vor dem Rathaus in Johannisburg thronte damals ein Bismarck-Denkmal und wie es der Zufall wollte, stand ein solches gusseisernes Bismarck-Denkmal auch später wieder auf dem Gelände des Gutes Reichsmark. Sie erzählte, wie es von der Hohensyburg auf das Gelände der Reichsmark kam und warum es wieder verschwand.

Frau Weber beschrieb das prächtige Herrenhaus auf dem Gelände des Golfplatzes, erzählte von schönen Treppengiebeln an Nord und Südseite des Gutshauses, ja selbst an den Hauptfassaden der Wirtschaftsgebäude, war fasziniert von der buntfarbenen Bleiverglasung am Treppenhaus. Sie berichtete von riesigen Kellergewölben des Gutes Reichsmark, in denen unser langjähriger Gastronom Joachim Zenker und sein Vater Gustav (unser erster Clubsekretär) am liebsten eine Championzucht für das Restaurant unseres Golfclubs aufgezogen hätten.

Das erste Mal getroffen haben wir uns dann Anfang Februar 2017 in ihrem Hause in der Rotariusstrasse. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, als sie mir die Tür öffnete. Denn ich konnte kaum glauben, dass diese rüstige Frau 91 Jahre alt war und ihren Haushalt alleine stemmte. Ich schätzte sie wesentlich jünger ein, so agil flitzte sie von einem Raum in den anderen, um Dokumente und Fotos für unsere „Golfplatz Forschung“ heranzuschaffen.  

Mehr als sieben (!) Stunden unterhielten wir uns intensiv bei einem Fläschchen Rotwein über den Dortmunder Golfclub, seinen renommierten Platzarchitekten, über die Einweihung des Platzes im Juli 1970 durch Dr. Heinz van de Loo (der den goldenen Eröffnungsgolfball aus Sorge eines Fehlschlages nur mit einem mittleren Eisen von Tee 1 abschlug), über Lage und Architektur des alten Gutes, über die Familiendynastie Overweg, über Namen wie Jutta Wahnschaffe, Hans-Jürgen Berninghaus, Hermann Bröckelschen, Hans Uhde, Kurt Keller, Horst Benkert, Carl Richard Funcke, etc. - alles Namen, die mit dem Bau unseres Golfplatzes auf dem Gut Reichsmark in enger Verbindung standen.

Sie vertraute mir an, warum die Eigentümerin Wahnschaffe (geb. Overweg) das Gelände des Gutes Reichsmark an den Dortmunder Golfclub verpachtete, warum unser Club nicht in der Lage war das stattliche Herrenhaus als Clubhaus zu nutzen, und wie sie immer wieder dieses traumhafte Herrenhaus aufsuchte, bevor es die Stadt Dortmund 1964 dem Boden gleich gemachte.

Sie konnte sich an Gespräche mit der Eigentümerin des Golfgeländes, Jutta Wahnschaffe, erinnern, die stets einen großen Eindruck auf alle Anwesenden machte. „Sie war eine resolute Person, eine wahre Erscheinung; wo sie erschien, füllte sie Räume aus.“ Nicht umsonst wurde Jutta Wahnschaffe - der wir das traumhafte Golfareal verdanken - später zur „Frau des Jahres“ gekürt, erhielt viele internationale Auszeichnungen, aber aufgrund anderer Verdienste!

Höchst interessant für Golfer waren ihre Aussagen über den Golfplatzarchitekten Dr. Bernhard von Limburger. Sie erzählte von Gesprächen mit diesem „sympathischen“ Golfplatzarchitekten, von seinem eleganten Auftreten und seinen golfplatzarchitektonischen Designgrundsätzen. Frau Weber erzählte, wie der Golfplatzarchitekt von Limburger erfolgreich mit dem Dortmunder Forstamt verhandelte, um einige Bäume des Waldes am Brandskopf für die interessanten Bahnen 4, 5 und 8 wegzunehmen. Sie erzähle von den Teichen der Bahn 5, die dort immer existierten und dem Gut Reichsmark ursprünglich als Löschteiche und Kuhtränken dienten.

Sie beschrieb den Architekten als „charmanten, schicken und kultivierten Mann, der sehr gut Landschaften erfassen konnte“. Für ihn sei sofort klar gewesen, dass der Dortmunder Golfclub ein „westfälischer Platz“ und ein „Meisterschaftsplatz“ werden sollte. Wie oben erwähnt, fand hier bereits 11 Jahre nach Fertigstellung die „Internationale Amateur-Meisterschaft“ des DGV um den „Preis der Bundesrepublik Deutschland“ statt.

Traudl Weber konnte sich daran erinnern, dass es für ihn aus Architektensicht wichtig war „wo die Sonne auf- und wo sie wieder untergeht, von wo der Wind weht und wie die Vögel fliegen“, damit er die Bahnen spielstrategisch sinnvoll für die sehr guten, aber auch für die nicht so guten Spieler anlegen konnte. Er wollte die ursprüngliche, leicht hügelige Landschaft der alten Reichsmark so wenig wie möglich verändern, einen Platz „in die gegebene Landschaft des Ardeygebirges hineinkuscheln“. Sie wusste, dass von Limburger viele deutsche Plätze (Privat-Golfclub Südstrand-Föhr, Hubbelrath, Feldafing, Club zur Vahr Garlstedter Heide, Schwetzingen, Stuttgarter Golf-Club Solitude, Braunfels, Bad Salzuflen, Krefeld, etc.), und auch einige ausländische Plätze (Atalaya Golf & Country Club/Malaga, Basel) gebaut hat.

Sie konnte sich erinnern, dass das alte Mitglied Terrahe mehrere hunderte Bäume für die Bahnen 6, 7 und 9 ohne viel Aufsehen spendete. Ein anderes Gründungsmitglied namens Funcke, der ein Bergbauunternehmen betrieb, spendete tausende Bäume aus seinem eigenen Waldbesitz bei „Funckenhausen“ für die Bahnen 12 bis 17. Meist blieben die großen Spender von damals dezent anonym.

Interessant war auch ihre Schilderung, die sie und ihr Mann Ende der 60er Jahre mit dem Architekten B. von Limburger über die Grünbunker von Bahn Nr.13 hatten. Dazu trafen sie sich zu einem Termin vor Ort. Familie Weber empfand die beiden Grünbunker aus Golfersicht als zu schwierig. Denn zu jener Zeit gab es noch keinen offenen Bereich (Gasse) zum Grün, sondern die neuen Bunker waren vor dem Grün gewissermaßen ineinander verkeilt angeordnet. Trotz langer Verhandlungen konnten sich die Webers nicht durchsetzen, da der Golfplatzarchitekt von Limburger darauf bestand, die Bunker in Form und Lage so zu belassen wie er sie spielstrategisch geplant hatte. Von Limburger hatte ein strategisches Gesamtkonzept für seinen „Meisterschaftsplatz“ entwickelt, und das wollte er sich nicht ausreden lassen, nur weil das golferische Niveau der meisten Dortmunder Mitglieder zu jener Zeit noch nicht hoch genug war. Zum Schluss unserer Unterhaltung lüftete sie noch das Geheimnis, welche drei Gründungsmitglieder große Beträge für den Bau der zweiten 9-Loch Schleife spendeten.    

Für mich waren diese beiden Gespräche mit unserem letzten Gründungsmitglied Traudl Weber äußerst emotionale Begegnungen und dazu höchst interessante Erfahrungen.

Es ist sehr  bedauerlich, dass wir es nicht mehr schafften, die vielen Punkte unseres Gespräches bei einem vor Orttermin auf dem Platz zu intensivieren, denn das hatten wir uns als nächsten Schritt vorgenommen.

Es gibt nicht viele Mitglieder unseres Clubs, die so viel über den Dortmunder Golfclub erzählen konnten. Und es gibt nicht viele Mitglieder, die so viel für unseren Club geleistet haben, die so sehr engagiert, und darüber hinaus golferisch erfolgreich waren wie Traudl Weber, die am 18. Oktober 2018 als letztes Gründungsmitglied verstarb. Unser großer Dank soll ihr nachwehen und auch ihrer Familie gelten.

 

 

Zurück